
Trainingsphilosophie
Ich lehre keine Methode auch wenn ich Techniken weitergebe.
Ich lehre Menschen, wahrzunehmen.
Zu sehen, was ihr Pferd ihnen zeigt.
Zu spüren, was in ihnen selbst geschieht und bei ihrem Pferd.
Klar zu werden, ohne hart zu sein.
Grenzen zu setzen, ohne Dominanz.
Fokus zu entwickeln ohne Zwang und Stress.
Vertrauen zu entwickeln – in das Pferd, in den eigenen Körper und in die eigene Wahrnehmung und Intuition.
Denn dort beginnt für mich echte Verbindung.
Was ist mir in meiner Arbeit mit den Pferden wichtig, was ist wesentlich und was bedeutet das konkret?
Die Frage sollte sich jeder immer wieder stellen, nur mal so...
Ich arbeite mit den Pferden, weil es mir Freude bereitet, grundsätzlich und egal mit welcher Rasse, mit welchem Charakter, mit welcher Größe, ich glaube ich fand wirklich noch kein Pferd langweilig. Dennoch habe ich natürlich mein Traumpferd im Kopf, wenn ich mir eines wünschen dürfte.
Ich suche nach der feinen Verbindung, die freundliche, klare und respektvolle Kommunikation ist mir wichtig, ehrliches Hinhören, Fairness und die gemeinsame Freude. So kann ich beflügelnde Momente in der Bodenarbeit oder beim Reiten erleben, immer wenn es nur das Pferd und mich gibt und wir uns mit annähernd nichts verständigen, ein Gedanke, ein Blick... und ich liebe es die Kraft und Energie unter mir, am liebsten im Galopp, zu spüren, die 500PS die gefühlt in einem Pferd stecken, aber insbesondere dann, wenn sie ganz und gar mit mir sind.
Ich suche schon in der Bodenarbeit, beim Führen nach Klarheit, Geschmeidigkeit, ruhiger Kommunikation. Ich möchte das ein Pferd gerne zu mir kommt, dass es sich in meiner Nähe entspannen kann, dass es sich durch Berührung entspannen kann, aber auch, dass es seine Meinung äußert, mir vertraut und eigene Ideen mitbringt.
Ich gebe einen Rahmen vor, in dem sich das Pferd im besten Fall möglichst gut entwickeln kann, seine Kraft, Geschmeidigkeit, sein Ausdruck größer wird. Ich möchte ein starkes Pferd, was geschmeidig und mir zugewandt ist.
Ich persönlich habe in den letzten 35 Jahren noch kein Pferd erlebt, was nicht mit dem Menschen in Beziehung treten möchte, mit ihm arbeiten möchte. Wenn es nicht mitmacht, gibt es immer einen Grund, meistens meiner Erfahrung nach einen im weitesten Sinne gesundheitlichen, seltener einen anderen.
Daher ist der Aspekt der Gesundheit, der körperlichen wie auch der seelischen, ein sehr wichtiger. Deshalb ist mir die Haltung, die Fütterung, die Art des Umgangs, des Trainings, insbesondere des Reitens sehr wichtig. Ich strebe an, ein Pferd so zu arbeiten, dass es bis ins hohe Alter, also bis 25, vielleicht bis 30 in der Lage ist, sich gut zu bewegen, ob ohne oder mit Reiter.
Noch konkreter:
Ich arbeite reitweisenunabhängig. Ich komme aus der klassisch (barocken)Reiterei. Ich saß im Westernsattel, im Englischsattel, auf diversen Reitpads und ohne Sattel auf dem Pferd. Ich bevorzuge einfach gebrochene Olivenkopfgebisse, bilde auch bis zu einem gewissen Grad gebisslos aus, habe mit Kandaren aber kein Grundsatzproblem, mit grundsätzlich nicht passenden Gebissen, sinnlosen scharfen Zäumungen, engen Nasenriemen u.ä. aber schon.
Ich fange beim Führen an, ich mag einfache Bodenarbeit, Spaziergänge, Handarbeit zur gewichtslosen Gymnastizierung und auch zur Vorbereitung auf das Reiten sehr, auch Longieren ist fester Bestandteil, ebenso wie Geländeerkundungen (es müssen ja nicht immer ausgedehnte Ausritte sein, aber jedes Pferd freut sich über Abwechslung zu den bekannten vier Wänden), am liebsten sitze ich auf dem Pferd, aber eben nur, wenn es bereit dazu ist.
Ich mag Stuten sehr, den meisten Spaß hatte ich mit jungen Hengsten ;), mein eigenes ist aber ein Wallach...
Ich hatte vier Jahre einen eigenen Offenstall, ich kenne alle Arbeiten rund ums Pferd, ich weiß was es bedeutet, ich kenne aber auch Vollpension mit neuer Halle. Ich glaube, ich bin einigermaßen kreativ im Training, sehr flexibel was die Trainingsbedingungen angeht und arbeite zwar mit einem Koffer voller "Trainingswerkzeuge", es gibt ein Ziel, es gibt immer wieder Anpassung, aber ich arbeite vor allem auch intuitiv und mit Gefühl. Innere Bilder, ja, auch sehr konkrete, halte ich für extrem wichtig, einen achtsamen Umgang und eine achtsame Sprache gegenüber dem Pferd ebenso, klare Grenzen fehlen aber auch nicht.
Ein Pferd, was geritten werden soll, sollte sich selbst tragen können und eine Idee vom gesunden Tragen des Reiters haben.
Ich kann nur meine Ideen versuchen zu vermitteln, Reiten lernt man vor allem auch durchs Reiten. Wichtig ist der Spaß am gemeinsamen Lernen und die Freude an Entwicklung, das feiner werden, das bewußter werden, das achtsamer werden, das Interesse daran, dass es dem Pferd gut geht, wofür es auch dem Reiter gut gehen muss :)
Ich lande immer wieder bei Pferd-Mensch-Paaren, bei denen die Grundlage noch nicht trägt – manchmal körperlich, manchmal im Nervensystem, manchmal in der Kommunikation und häufig auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Jemand sagt:
„Ich möchte klassische Handarbeit lernen.“
Und ich sehe: Eigentlich müssen wir erst klären, dass sich das Pferd führen lässt, ob Mensch und Pferd überhaupt miteinander kommunizieren können und ob das Pferd körperlich in der Lage ist, die gewünschte Arbeit sinnvoll auszuführen.
Oder jemand sagt:
„Ich möchte wieder einsteigen mit reiten.“
Und ich stelle fest: Da geht es zunächst gar nicht um Sitz, Hilfengebung und Seitengänge, sondern um Sicherheit, Vertrauen, Wahrnehmung und darum, dass dieser Mensch überhaupt wieder handlungsfähig auf dem Pferd wird.
Oder ich steige selbst auf ein Pferd und merke: Dieses Pferd trägt viel zu viel Gewicht auf der Vorhand. Ich muss ihm erst helfen, seinen Körper anders zu organisieren.
etc.
Früher wäre vielleicht meine Frage gewesen:
Wie bringe ich diesem Pferd Schulterherein bei?
Heute schaue ich eher:
Kann dieses Pferd seinen Brustkorb überhaupt sinnvoll organisieren? Wo liegt sein Schwerpunkt? Kann es Spannung regulieren? Kann es Berührung annehmen? Kann es sich selbst tragen? Versteht es die Kommunikation? Ist der Mensch körperlich und emotional in der Lage, die Hilfen zu geben?
